Friedrich-Schiller-Universität Jena
Von hier aus wurde die geschichtsdidaktische Perspektive, die Aufgabenentwicklung und die Auswertung der Lernwege eingebracht.
Im Zentrum stand die Frage, wie digitale Lern- und Rechercheprozesse nicht nur technisch erfasst, sondern auch fachlich und didaktisch verständig ausgewertet werden können. Das Projekt zielte damit auf eine engere Verbindung von Theorie, Empirie und Praxis in der Hochschullehre.
Das Vorhaben entstand als hochschulübergreifendes Kooperationsprojekt zwischen Geschichtsdidaktik und Informatik. Es knüpft an bestehende Entwicklungen an beiden Standorten an und verbindet Praxisbezug im Lehramtsstudium mit anwendungsbezogener Webentwicklung und Datenanalyse.
Von hier aus wurde die geschichtsdidaktische Perspektive, die Aufgabenentwicklung und die Auswertung der Lernwege eingebracht.
Hier lagen insbesondere die technische Konzeption, die Implementierung und die Weiterentwicklung der Webanwendung.
Das Projekt wurde als interdisziplinäres und hochschulübergreifendes Entwicklungsformat im eTeach-Netzwerk Thüringen umgesetzt.
Beteiligt waren vier Projektpersonen aus Geschichtsdidaktik und Informatik. Die Projektleitung lag bei Prof. Dr. Anke John und Prof. Dr. Marcel Spehr; begleitet wurde die Umsetzung durch Benedict Staack und Robin Beck.
Zuständig für die geschichtsdidaktische Perspektive, die Entwicklung fachlicher Analysefragen und die Einbindung der empirischen Auswertungen in geschichtsdidaktische Lehr- und Lernkontexte.
Verantwortlich für die informatische Konzeption, die technische Realisierung des Analysetools, die Integration in das Portal und die Verbindung von Webentwicklung, Datenanalyse und Systemintegration.
Mitarbeit an der didaktischen Konzeption, an der Durchführung der Kooperationsseminare, an der Datenauswertung sowie an der fachlichen Reflexion der rekonstruierten Nutzungsverläufe.
Mitarbeit an Implementierung, Deployment, Weiterentwicklung und Auswertung der Anwendungen sowie an der technischen Aufbereitung der Nutzungsdaten für die Lehr- und Forschungskontexte des Projekts.
Ausgangspunkt des Vorhabens war die Beobachtung, dass angehende Geschichtslehrkräfte im Studium nur selten die Möglichkeit haben, Diagnosekompetenzen anhand empirischer Daten zum Lernverhalten von Schüler:innen und Studierenden auszubilden. Zugleich bietet die Entwicklung eines geeigneten Analyseinstruments für Informatikstudierende einen realen, forschungsnahen Anwendungsfall.
Vor diesem Hintergrund sollte in einem zweisemestrigen Blended-Learning-Kooperationsseminar ein prototypisches Analysetool für das Bildungsportal evaschiffmann.de entwickelt und genutzt werden. Das Tool sollte Lernwege in digitalen Umgebungen sichtbar machen, die fachliche Diagnose und Unterrichtsplanung unterstützen und zugleich als technisches Praxisartefakt in der Informatiklehre dienen.
| Aspekt | Projektfokus |
|---|---|
| Didaktischer Mehrwert | Förderung von Diagnose- und Planungskompetenz durch die empirische Rekonstruktion digitaler Lernwege. |
| Informatischer Mehrwert | Entwicklung eines realen Webanalyse- und Visualisierungswerkzeugs im Kontext empirischer Lehr-Lern-Forschung. |
| Fachlicher Fokus | Quellenorientierter und wissenschaftsförmiger Umgang mit Geschichte in digitalen Lernumgebungen. |
| Innovation | Ko-konstruktive Zusammenarbeit von Studierenden technischer und gesellschaftswissenschaftlicher Fächer einschließlich Erprobung generativer KI-Zugänge. |
Das didaktische Konzept sah Kooperations-Blockseminare in zwei aufeinanderfolgenden Semestern vor. Fachliche Arbeitsphasen wurden an beiden Hochschulen vorbereitet und in gemeinsamen Sitzungen zusammengeführt. Auf diese Weise konnten geschichtsdidaktische Fragestellungen und technische Entwicklungsentscheidungen fortlaufend aufeinander bezogen werden.
| Phase | Inhalte |
|---|---|
| 1. Vorbereitung | Klärung datenschutzrechtlicher Voraussetzungen, Einrichtung technischer Zugänge zum Bildungsportal, Erarbeitung fachlicher Grundlagen und gemeinsame Konzeption der Kooperationsveranstaltungen. |
| 2. Entwicklung im SoSe 2025 | Ko-konstruktive Entwicklung des Analysetools durch Geschichts- und Informatikstudierende, Integration in das Portal, Prä-Testphase und Reflexion der Erhebungsinstrumente. |
| 3. Auswertung und Weiterentwicklung im WiSe 2025/26 | Schulische Datenerhebung, Auswertung empirischer Nutzungsdaten, Visualisierung der Ergebnisse, Seminarreflexion und Weiterentwicklung des Tools. |
Die Datenerhebung bezog sich auf die Arbeit mit dem Bildungsportal in der Oberstufe. In zwei Unterrichtseinheiten zur deutschen Demokratiegeschichte der 1920er Jahre recherchierten Lernende auf dem Portal zu den Zukunftserwartungen der deutsch-jüdischen Teenagerin Eva Schiffmann. Aus Tagebuch, Transkription, Darstellungstexten und weiteren Quellen sollten Entscheidungssituationen rekonstruiert werden.
Die Auswertung der Logdaten machte sichtbar, dass Lernende sehr unterschiedliche Wege durch das Material wählen. Im Projekt wurden exemplarisch lineare, laterale und hybride Lesemodi herausgearbeitet und in ihrer fachlichen Bedeutung diskutiert.
Das entwickelte Analysetool basiert auf der Open-Source-Software Matomo und wurde für geschichtsdidaktische Fragestellungen aufbereitet. Es bietet zwei Analyseebenen: ein Dashboard zur übergreifenden Auswertung von Zugriffen, Gerätetypen, Verweildauer, Bounce-Rate und häufig aufgerufenen Inhalten sowie ein Gantt-Diagramm, das einzelne Sitzungen im zeitlichen Verlauf rekonstruiert.
Solche Verlaufsdiagramme machen sichtbar, welche Seiten, Medien und externen Verweise im Verlauf einer Sitzung geöffnet wurden und wie lange einzelne Inhalte im Fokus standen.
Die Visualisierung erlaubt es, Orientierungs- und Ausarbeitungsphasen voneinander zu unterscheiden und daraus Hinweise auf Suchstrategien, Relevanzentscheidungen und thematische Schwerpunktsetzungen abzuleiten.
Besonders aufschlussreich war, dass sich lineare, laterale und quellenzentrierte Nutzungsmuster im Diagramm deutlich voneinander unterscheiden und damit für die didaktische Reflexion anschlussfähig werden.
Herausfordernd waren vor allem die organisatorische Verzahnung zweier unterschiedlicher Studiengänge, die Bereitstellung technischer Infrastruktur und die an ministerielle Genehmigungsprozesse gebundene schulische Datenerhebung. Zugleich zeigte das Projekt, dass regelmäßige Abstimmung, Perspektivwechsel und ein ko-konstruktives Vorgehen tragfähige Lösungen hervorbringen können.
Für Geschichtsstudierende wurde sichtbar, wie technische Entscheidungen Datenerhebung und Auswertung erst ermöglichen und zugleich strukturieren. Informatikstudierende gewannen umgekehrt Einblick in geschichtsdidaktische Fragestellungen, Qualitätskriterien und Vermittlungsziele, die die Toolentwicklung sinnvoll steuern.
Die Projektergebnisse finden in beiden Lehrkontexten Anwendung. In der Geschichtsdidaktik dienen Analysetool, KI-Chatbot und die erhobenen empirischen Daten dazu, Lern- und Nutzungsverhalten datenbasiert zu diagnostizieren und für Unterrichtsplanung nutzbar zu machen. In der Informatiklehre fungieren die Anwendungen als authentische, fortschreibbare Praxisartefakte für Webentwicklung, Datenanalyse und Systemintegration.
Über den konkreten Projektkontext hinaus ist das Lehrformat transferfähig: Das entwickelte Tool kann grundsätzlich auch auf andere Internetseiten und digitale Bildungsangebote angewendet werden. Dokumentation, Good-Practice-Beiträge und seminarbezogen aufbereitete Materialien schaffen dafür eine anschlussfähige Grundlage.
Kolleg:innen, die das Lehrformat adaptieren, das Analysekonzept auf andere digitale Bildungsangebote übertragen oder sich zu interdisziplinären Lehr-Lern-Szenarien austauschen möchten, können an die Projektleitung anknüpfen. Besonders geeignet sind Anschlussprojekte, in denen fachliche Anforderungen, digitale Infrastrukturen und empirische Lernforschung zusammengedacht werden.